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Viel Arbeit für eine vergängliche Kunst: Zwölf Eismacher traten bei Gelato-Festival in Erftstadt an – Sieger fahren zur deutschen Meisterschaft

verfasst am 5. April 2019 um 11:11 Uhr

Erftstadt-Lechenich. Wer sagt denn, dass Eis wie Eis aussehen muss? Die Kreation, mit der Alessandro Fois beim Eis-Festival antritt, sieht aus wie ein Streuselkuchen. Was kein Wunder ist, schließlich heißt die Sorte Kirschstreuselkuchen. Fois setzt auf eine eher schlichte Optik, und gerade deshalb hebt sich sein Wettbewerbsbeitrag von den opulent dekorierten Kreationen der Konkurrenz ab.

Elf Eismacher sind beim Gelato-Festival angetreten, mit dem die Firma Heider & Caracciola, die Zubehör für Eiscafés vertreibt, die Einweihung ihres neuen Firmensitzes im Erftstädter Wirtschaftspark feiert. Genau gezählt sind es zwölf, zwei stellen eine gemeinsame Kreation vor. Die Sieger fahren nach Berlin, wo dann die beste Eissorte Deutschlands gekürt wird.

Jeder Handgriff sitzt

Fois betreibt zwei Eiscafés in Erftstadt, La dolce vita 1 und 2, in Lechenich und Gymnich. Nervös sei er schon, erzählt der Sarde: „Es sind so viele Leute hier.“ Doch als er die Eismaschine anwirft, sitzt jeder Handgriff. Zwei der High-Tech-Geräte stehen nebeneinander, an jeder arbeitet ein Teilnehmer des Wettbewerbs. Ein Vertreter der Herstellerfirma geht ihnen zur Hand und hilft, wenn jemand mit der Bedienung nicht zurechtkommt. Während der Automat die Eismasse rührt und kühlt, sortieren die Eisspezialisten ihre Zutaten und ihr Dekorationsmaterial. Ein Granatapfel wird so raffiniert aufgeschnitten, das er wie ein kleines Kunstwerk aussieht. Hier liegen kandierte Pekan-Nüsse, dort fragile Ornamente aus weißer Schokolade. Anne Werner arrangiert Chili-Schoten auf ihrer sattgelben Eiscreme. Die 25-Jährige hat im ersten Anlauf Pech gehabt mit ihrer Kreation „scharfe Königin“, das Eis war nicht gelungen. Sie darf nachbessern. Dass die junge Frau angespannt wirkt, hat noch andere Gründe. Eismachen ist offenbar Männersache. Außer ihr tritt nur eine weitere Frau an – und das ist ausgerechnet ihre Chefin. Petra Recker hat sich vor zehn Jahren in Bonn mit dem Eislabor Passion selbstständig gemacht und dafür ihren Job bei der Telekom aufgegeben.

Geschmacksache

Während die einen noch mit leichter Hand Eismasse zu gewagten Formen auftürmen, sind die anderen schon unterwegs zur Jury. Neben Vincent Moissonier vom Kölner Sterne-Lokal fällen der Blogger Benjamin Darius Bothe sowie Andrea Mills und Wolfgang Zander von der Handwerkskammer Düsseldorf die Urteile. Marco Corrocher überzeugt sie mit einem Eis, das er Toffifee nennt. Er fährt ebenso nach Berlin wie Silvano Soravia und Francesco Orrico. Für Alessandro Fois reicht es nicht unter die ersten drei. Ist er enttäuscht? Der Erftstädter bleibt diplomatisch: „Eis ist eben Geschmacksache.“ Er hat seine neue Sorte in seinem Gymnicher Eiscafé schon in der Theke. Im Zweifelsfalls wünschten die Kunden sowieso Vanille, Schokolade, Erdbeer, sagt er. Gegen die Klassiker kommt halt keine noch so ausgefallene Kreation an.

5. April 2019 – Kölner Stadt-Anzeiger von Ulla Jürgensonn (Bild: Ulla Jürgensonn)