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Standort mit Ausblick

Logistikzentrum: Europas größte Achterbahn für DPD-Pakete

verfasst am 11. Oktober 2012 um 16:40 Uhr

Erftstadt. Martin Klein hat immer eine Rolle Klebeband in der Jackentasche. Nicht, dass der Niederlassungsleiter im neuen, 42 Millionen teuren Logistikzentrum des Unternehmens DPD irgendetwas notdürftig flicken müsste. Aber der Bau der riesigen Paketverteileranlage im Erftstädter Wirtschaftspark ist nun schon soweit vorangeschritten, dass bereits Probeläufen stattfinden. Und dafür braucht es Testpakete. Jede Menge Testpakete. 21?000, um genau zu sein. „140 davon habe ich schon selbst gepackt und zugeklebt“, sagt Klein.

Rund 800 Logistikzentren betreibt DPD europaweit. Das modernste und größte von ihnen wird demnächst in Erftstadt stehen. Kein anderes hat so viel Kapazitäten, kein anders hat eine so moderne Paketsortieranlage. Womit Erftstadt sich warmlaufen soll, ist in Frechen die Grenze. „Wir haben im Frechener Depot keine ausreichenden Expansionsmöglichkeiten mehr. Die Technik ist dort am Rande der Leistungsfähigkeit“, sagt Klein. Darum sehnt er den 21. Dezember herbei. Das ist der Tag, an dem in Frechen die Lichter ausgehen und in Erftstadt der Startknopf gedrückt wird. „Hier wird sich vieles entzerren“, ist sich der Niederlassungsleiter sicher.

Angefangen wird in Erftstadt mit dem Paketaufkommen, wie es in Frechen noch ansteht. Rund 140?000 Pakete kommen dort in der Nacht an. Der größte Teil (80?000) wird per Lkw zu weiteren Depots verteilt. Der Rest geht per Transporter direkt an die Kunden. Für Auftragsbearbeitung, Paketannahme und Paketverteilung sind in Frechen und demnächst in Erftstadt rund 240 Mitarbeiter zuständig. Das Fahren übernehmen Logistiker, deren Dienstleistung DPD einkauft.

Transportanlage ist das Herzstück

Diese Zahlen markieren für das neue Logistikzentrum im Wirtschaftspark nur den Startpunkt. Erftstadt soll ein Knotenpunkt in Westeuropa werden. Klein denkt in Richtung 200?000 Pakete pro Tag. „Die Anlage könnte noch weit mehr leisten. Aber irgendwann ist das planerisch nicht mehr zu bewältigen.“

Die Anlage. Das Herzstück des neuen Logistikzentrums. Der Stolz des Niederlassungsleiters. Um die Spannung zu steigern, führt Klein zuerst durch das Verwaltungsgebäude. Die DPD-Farben Rot, Weiß und Schwarz geben den Grundton an. Erdwärme sorgt für Wohlfühltemperatur. In Großraumbüros schlucken Boden und Decke den Schall. Für die Kantine konnte ein Erftstädter Unternehmer gewonnen werden. Die Ausstattung ist für alle gleich. „Wir sind ein Team“, sagt Klein

Und dann die Brücke. Sie verbindet das Verwaltungsgebäude mit der großen Halle. In ihr steht das Pakettransportsystem. Drei Etagen nimmt es in Anspruch. Noch sind nicht alle Strecken ausgebaut. Aber über weite Teile können schon Testläufe gefahren werden.

Informationstechniker aus Holland schauen den sausenden Paketen hinterher. Nur sie – und vielleicht noch Martin Klein – können das Geflecht aus Transportbändern mit bloßem Auge entwirren. Für den Außenstehenden ist es eine atemberaubende Paketachterbahn. 13, vielleicht 14 Kilometer lang. So genau weiß das noch keiner. Wer versucht, ein Päckchen mit den Augen zu verfolgen, gibt nach kurzer Zeit schwindelig auf. 2,5 Meter pro Sekunde. Für Sortierscanner kein Problem.

Fest stehen bei diesem System für den Laien nur die Eckpunkte. Menschen, die die angelieferten Pakete auf die Bänder schaffen und sie auf der anderen Seite in Container und Transporter für die Weiterfahrt einladen. Gelagert wird nicht. Das Paket muss zum Kunden. „Just in time“. „Ein Knochenjob“, räumt Klein ein. Er weiß wovon er spricht. „Im Weihnachtsgeschäft müssen wir alle ran.“ Aber auch das wird am 21. Dezember hinter ihm liegen – genauso wie Frechen.

9. Oktober 2012 – Kölner Rundschau, Ingo Schmitz

DPD Klein im WirtschaftsPark Erftstadt