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Hunde wieder in Bewegung bringen – Monika Schulze-Zumloh behandelt Tiere mit Muskel- und Gelenkproblemen

verfasst am 5. Januar 2021 um 15:45 Uhr

Erftstadt-Lechenich. Der Raum sieht aus wie eine Mischung aus Kindergarten und Turnhalle, mit Matten, bunten Hütchen, einem Trampolin und kleinen Hindernissen. Wenn da nicht ein stählernes Gerät an der Wand wäre, das unangenehme Assoziationen weckt. Man könnte an einen Folterkeller denken oder an medizinische Anwendungen, die man sich nicht wünscht. Dabei ist das Ding harmlos: Es ist ein Laufband für Hunde. Und auch der Mini-Parcours ist für vierbeinige Patienten gedacht. 

„Einem Hundebesitzer zu sagen, dass sein Tier viel zu dick ist, braucht Fingerspitzengefühl.“ Monika Schulze-Zumloh

Im Wirtschaftspark ist vor fast einem Jahr Canis mobilis eingezogen, der bewegliche Hund. So nennt die Tierphysiotherapeutin Monika Schulze-Zumloh ihre Praxis. Auf 100 Quadratmetern am Albert-Einstein-Ring hat sie zwei Behandlungsräume eingerichtet, in denen sie Hunden, aber auch Katzen mit Muskel- oder Gelenkproblemen hilft. „Das war mein Traum, und nach dem die Kinder groß sind, habe ich ihn mir erfüllt“, sagt die 51-Jährige.Erfahrungen mit Tieren hatte sie reichlich gesammelt, in der Praxis ihres Schwiegervaters und ihres Mannes, die beide Tierärzte sind. Ihres Ausbildung zur Tierphysiotherapeutin hat sie in Bad Bramstedt gemacht, mit Kursen in Anatomie, innerer Medizin und praktischer Unterweisung.

„Ich möchte dem alten Hund die Zeit, die ihm noch bleibt, schöner machen“, sagt Schulze-Zumloh. Marie scheint wie der lebendige Beweis dafür, dass das gelingt. Gelassen steigt die Mischlingshündin auf die Liege und überlässt sich vertrauensvoll den helfenden Händen. Wenn ein alter Hund nur noch zehn Meter gehe, ansonsten rumliege, fresse und verdaue, sei das Ende absehbar. „Aber man kriegt sie aus dieser Schleife raus“, ist die Therapeutin sicher. „Tiere sind so dankbare Patienten“,sagt sie. Helfen können sie jedoch nur, wenn die Besitzer mitmachen. Denn Übungen brächten nur Erfolg, wenn sie regelmäßig gemacht würden und nicht nur alle 14 Tage in der Praxis. Hunde und Katzen litten ebenso an Zivilisationskrankheiten wie Menschen. Einem Hundebesitzer zu sagen, dass sein Tier viel zu dick ist, braucht Fingerspitzengefühl. Da sind die Leute schnell beleidigt.“

Das Laufband in der Praxis ist aber nicht in erster Linie dazu da, unerwünschte Pfunde abzutrainieren. Vielmehr gehe es darum, dass Hunde, die ihr Eigengewicht  nicht auf Dauer tragen können – beispielsweise  nach einer Operation – wieder in Bewegung kommen. Die Tiere bekommen ein Geschirr angelegt und werden dann so aufgehängt, dass sie zwar laufen müssen, wenn sich das Band in Bewegung setzt, die Belastung der Gelenke aber genau dosiert werden kann.

Katzen, sagt die Expertin, seien eine größere Herausforderung als Hunde. „Da kann man nur die kooperativeren behandeln.“ Zumal für die Katzen schon der Transport zur Praxis ein negatives Erlebnis sei. Ihr tue es oft leid, dass sie nur eine Diagnose stellen können, indem sie die Punkte finde, an denen es wehtue, erzählt Monika Schulze-Zumloh. Da sei es selbst für manchen Hund schnell vorbei ,it der Kooperation.

Aber im Gegensatz zur Katze hat der Hund anschließend Spaß, wenn er Slalom um die Hütchen laufen darf. Vor allem im Sommer. Denn dann ist der Parcours draußen aufgebaut.

5. Januar 2021 – Kölner Stadt-Anzeiger von Ulla Jürgensonn (Text & Bild)