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Standort mit Ausblick

Ein Campus für das Handwerk – Kreishandwerkerschaft und Innungen investieren 14 Millionen Euro in Erftstadt – 300 Arbeitsplätze

verfasst am 7. September 2020 um 11:02 Uhr

Rhein-Erft-Kreis/Erftstadt. Neben dem millionenschweren Vorhaben der Technischen Uni Köln, in Liblar einen Campus für etwa 2000 Studenten zu errichten, kann sich Erftstadt demnächst über eine zweite Großinvestition freuen – diesmal geht es um Ausbildung und Firmengründung. Denn die Kreishandwerkerschaft Rhein-Erft plant in Kooperation mit den Bauwerksinnungen Köln und Rhein-Erft im Wirtschaftspark am Ortsrand von Lechenich ein „Gründer- und Bildungscampus Handwerk Rhein-Erft“.

Auf dem etwa 17 000 Quadratmeter großen Grundstück an der Bundesstraße 265/Ecke Landstraße 263 in Sichtweite des großen DPD-Logistikzentrums am Carl-Benz-Ring soll in zwei Bauabschnitten der Campus entstehen. „Lange haben wir nach solch einem Grundstück gesucht“, berichtet Heribert Ropertz, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. Die gute Anbindung des Wirtschaftsparks sei ein entscheidendes Argument für den Standort.

Höfe können gemietet werden

Vor Jahren schon sei das Konzept für den Campus entwickelt worden. „Tatsache ist, dass viele kleine Betriebe es sehr schwer haben, kleine Gewerbegrundstücke von wenigen Hundert Quadratmetern oder auch nur eine Halle mit Büro zu finden“, erläuterte Ropertz. Die Kommunen könnten kaum adäquate Flächen zur Verfügung stellen. Bei einer Sitzung mit Wirtschaftsförderern aus den Kommunen habe die Kreishandwerkerschaft ihre Idee für den Campus präsentiert.

In einem ersten Bauabschnitt werden bis zu 50 Handwerkerhöfe errichtet, bestehend aus Halle, Büro und Sozialraum. Diese Höfe können dann jeweils angemietet werden. In einem zweiten Bauabschnitt werden Bauten für bis zu sechs Werkstätten errichtet, hinzu kommen zwei Gebäuderiegel, die als Büros genutzt werden können. „Wir wollen für die Zukunft bauen dank weniger
Flächenverbrauch durch Kooperation und Vernetzung“, erklärte Peter Ropertz, stellvertretender Hauptgeschäftsführer, im Ausschuss für Stadtentwicklung. Dort wurde das Vorhaben präsentiert und fand Zustimmung bei allen Fraktionen. Geplant seien auf dem Grundstück Solaranlagen und begrünte Dächer, der Abfall werde gemeinsam recycelt.

Kleine und mittlere Betriebe

Insgesamt sollen in Erftstadt etwa 300 Arbeitsplätze geschaffen werden in kleinen und mittleren Betrieben. Zudem soll ein modernes Bildungs- und Dienstleistungszentrum entstehen, ausgestattet mit Werkstätten samt zentralem Lager- und Büroservice, Beratungsangebot zum Thema Digitalisierung im Handwerk und vieles mehr. Das Investitionsvolumen beziffert Heribert Ropertz auf rund 14 Millionen Euro. Investoren sind die Kreishandwerkerschaft und die ihr angeschlossenen Innungen. Das Geld wird auf dem Kapitalmarkt beschafft. Als nächste werden der Stadtrat und der Immobilienausschuss sich mit dem Thema Campus befassen. Wenn alles glatt läuft, könnte das Bauvorhaben in wenigen Jahren realisiert sein, so Heribert Ropertz. Bis dahin bleibe Zeit, das Projekt noch detaillierte vorzubereiten. „Erftstadt entwickelt sich mit Blick auf den Campus der TH und den der Kreishandwerkerschaft zum Zentrum für Bildung und Ausbildung im Kreis“, sagte Bürgermeister Volker Erner erfreut. Zugleich sei das Vorhaben in Lechenich ein großer Erfolg für die Arbeit der Wirtschaftsförderung.

VIELE ANGEBOTE

Insgesamt 1300 Mitglieder zählt die Kreishandwerkerschaft. Diese besteht seit knapp 130 Jahren und hat ihren Sitz in Frechen.

Zum Leistungsspektrum zählen Beratungen, Vertretung der Betriebe vor Arbeits- und Sozialgerichten und ein breites Informationsangebot.

Angegliedert sind der Kreishandwerkerschaft zehn Innungen. Die Zahl der Auszubildenden betrug in den zurückliegenden Jahren pro Ausbildungszeitraum etwa 1500 Personen.

Der geplante Campus in Erftstadt ist laut seinem Hauptgeschäftsführer der Erste in der Region.

5. September 2020 – Kölner Stadt-Anzeiger von Horst Komuth (Text), Kreishandwerkerschaft (Visualisierung/Foto)